Neue Empfehlungen und Unterstützungen für die Förderung von Kleinsäugern

ADRIAN DIETRICH; ANNINA ZOLLINGER FISCHER

Kleinsäuger leben unscheinbar und versteckt und ihre Rollen im Ökosystem werden oft unterschätzt. Die Spitzmäuse sind Topprädatoren von Wirbellosen und Indikatoren für eine Landschaft mit vielen Strukturen und Wirbellosen. Die Schläfer benötigen artenreiche Wälder und Hecken, während die Wühl- und Langschwanzmäuse eine wichtige Nahrungsquelle für viele Raubtiere und -vögel sind. Die Gruppe der Kleinsäuger umfasst einen Drittel aller gefährdeten Säugetierarten der Schweiz und 9 Arten sind auf der revidierten Liste der National Prioritären Arten aufgeführt.

 

Im Naturschutzgebiet Fanel (BE) am Südufer des Neuenburgersees leben Zwergmäuse (Micromys minutus). Wie deren Bedürfnisse beim zukünftigen Unterhalt des Gebiets berücksichtigt werden können, wird aktuell durch den Kanton Bern geprüft (Bildautorin: Annina Zollinger Fischer).

 

Damit Kleinsäuger ihre zentrale Rolle im Ökosystem langfristig wahrnehmen können, braucht es ihre Berücksichtigung auf der gesamten Landesfläche. Schon mit kleinen Massnahmen kann viel erreicht werden – für diese Artengruppe und die Biodiversität als Ganzes. Deshalb hat das Büro UNA Atelier für Natur und Umwelt AG im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet. Sie beschreiben, worauf bei der Pflege und dem Unterhalt von Lebensräumen geachtet werden sollte, um die Bedürfnisse der national prioritären Kleinsäuger zu berücksichtigen. Die Handlungsempfehlungen sind so aufgebaut, dass sie direkt in Unterhaltskonzepte und -planungen eingebaut werden können. Die Massnahmen sind auf drei Dokumente aufgeteilt, je eines für die Lebensraumtypen «Gewässerrandbereiche und Feuchtgebiete», «strukturreiches Offenland» und «Wald». Mit der Umsetzung der Empfehlungen ausserhalb von Schutzgebieten, zum Beispiel entlang von Bahndämmen, Entwässerungsgräben oder Waldstrassen, können zusätzliche Lebensräume geschaffen und die Vernetzung verbessert werden. Für die zwei stark gefährdete Kleinsäugerarten Zwergmaus (Micromys minutus) und Sumpfspitzmaus (Neomys milleri) wurden Nationale Aktionspläne erstellt. Beide Arten kommen punktuell in der ganzen Schweiz vor. Die Aktionspläne zeigen auf, wie die Arten konkret gefördert werden können und welche zusätzlichen Massnahmen für die langfristige Erhaltung der Arten in der Schweiz nötig sind. Erste Projekte zur Förderung von Kleinsäugern sind initiiert und die Pflege von Schutzgebieten in verschiedenen Kantonen wird angepasst. Ebenfalls fanden erste Erfahrungsaustausche zur Förderung von Kleinsäugern statt, an welchen verschiede Akteure teilnahmen.

 

Im Rahmen eines ersten Treffens zur Begleitung der Umsetzung des nationalen Aktionsplans zur Förderung der Zwergmaus (Micromys minutus) haben Vertretende von Amtsstellen, Umweltbüros und Wissenschaft das Gebiet im Kanton Genf besucht, in welchem Zwergmäuse ausgewildert wurden. Bildautor: Adrian Dietrich

 

Kontakt

Adrian Dietrich
UNA Atelier für Natur und Umwelt AG,
Schwarzenburgstrasse 11, 3007 Bern
Email: dietrich@unabern.ch

 

Links

Dokumente
Handlungsempfehlungen Wald
Handlungsempfehlungen Feuchtgebiete
Handlungsempfehlungen Offenland
Aktionsplan Zwergmaus
Aktionsplan Sumpfspitzmaus