Ökologische Infrastruktur

Häufig gestellte Fragen - FAQ

Arbeitshilfe «Ökologische Infrastruktur»

  • Was müssen die Kerngebiete alles aufweisen, damit sie als Kerngebiete definiert werden dürfen?

    Ausgangszustand (bestehende, verbindlich ausgeschiedene Kerngebiete):
    In der Tabelle 2 der Arbeitshilfe ÖI, Ziff. 1-9 (Kapitel 3.5) werden alle Gebiete aufgelistet, die dem Ausgangszustand der ÖI als Kerngebiete angerechnet werden können. Die AHI beschreibt auch der Umgang mit den Daten, bspw. für die Anrechnung von regionalen Biotopen (rechtliche Sicherung u.a.).

    ÖI-Fachplanung (neue Kerngebiete):
    Gebiete, die bei der Weiterentwicklung der ÖI zu berücksichtigen sind und in den kantonalen ÖI-Fachplanungen als Kerngebiete einbezogen werden sollen, sind im Rahmen der Funktionsanalyse (Kap. 4.6, Arbeitsschritt III) zu identifizieren. Dazu beschreibt die AHI Prioritäten und Umgang mit Grundlagen aus nationaler Perspektive. So ist bei der Bezeichnung dieser Gebiete insbesondere der Stärkung und Vernetzung der Biotope von nationaler Bedeutung sowie dem Erhalt von Arten, für welche die Schweiz eine besondere Verantwortung trägt (z.B. NPA), Rechnung zu tragen. Die Planungsgrundlagen des Bundes (Tabelle 2, Kap. 3.5 ,bspw. Prioritäre Gebiete, Zeile 26) sollen mit kantonsspezifischen Untersuchungen soweit möglich ergänzt und vertieft werden.

    Kerngebiete sind aufgrund rechtlicher, planerischer oder anderer wirksamer Mittel räumlich auszuweisen und langfristig zu sichern. Deren Lebensräumqualität ist mittels wirkungsvollen Unterhaltskonzepten/Managementpläne sicherzustellen. Wo nötig sind Sanierungsmassnahmen zu treffen.

    (BAFU, Arbeitshilfe Version 0.99, 2021).

  • Wird der Ergänzungsbedarf an die Kantone als zu kompensierender Wert gegeben?

    Das BAFU hat in der Arbeitshilfe keine Vorgaben über den minimalen Flächenbedarf für die ÖI auf kantonaler Ebene gemacht. Die Arbeitshilfe beschreibt die auf nationaler Ebene durchgeführten Analysen von InfoSpecies. Im Anhang 3 werden der Ergänzungsbedarf und der daraus abgeleitete minimale Bedarf an Flächen mit Qualität für die Gilden der Feucht- und Trockenlebensräume pro biogeographische Regionen zusammengefasst.

    Ausgehend vom schweizweiten Ziel, bis 2030 mindestens 17% der Landesfläche als Gebiete zum Schutz der Arten und Lebensräume (Kerngebiete) zu bezeichnen und zu vernetzen, und im Rahmen des wissenschaftlichen ausgewiesenen Bedarfs an rund 30% Landesfläche zu Gunsten der Biodiversität, leisten die Kantone entsprechend ihren naturräumlichen Gegebenheiten Beiträge zur Erfüllung des schweizweiten Flächenbedarfs. Für die Ableitung des minimalen Flächenbedarfs können sich die Kantone auf den von InfoSpecies modellierten Ergänzungsbedarf pro Gilde stützen (Datensätze mit Angaben pro Wassereinzugsgebiete auf VDC und auf der Internetseite von InfoSpecies sowie Zusammenfassung pro biogeographische Region in der Arbeitshilfe ÖI, Anhang 3). Dabei gilt es zu beachten, dass der Ergänzungsbedarf von InfoSpecies auf Beobachtungsmeldungen von Qualitätszeigerarten und auf Modellierungen basiert. Somit weisen die Zahlen eine gewisse Ungenauigkeit auf und sind als Richtwerte für die Ableitung des minimalen Bedarfs an Fläche mit Qualität für die jeweiligen Gilden zu interpretieren (BAFU, Arbeitshilfe Version 0.99, 2021). Die Kantone ergänzen mit Daten und Analysen gemäss naturräumlichen Gegebenheiten.

  • Wenn ein Kanton in einer Gilde Kerngebiete ausweisen kann, welche in VDC noch nicht als Beobachtungsqualität (Observed Quality) aufgeführt wird, kann dieser Wert dann vom Ergänzungsbedarf abgezogen werden?

    Vorbemerkung: siehe vorangehende Frage. Der Ergänzungsbedarf soll von den Kantonen selber, u.a. auf Basis der Grundlagenanalysen von InfoSpecies hergeleitet werden. Dabei können zusätzliche Grundlagen beigezogen werden.

    Für die Definition der Kerngebiete können die Kantone durchaus weitere Grundlagen berücksichtigen. Die Analysen InfoSpecies decken nicht zwingend alle Gebiete mit ausgewiesener Qualität ab. Sie basieren auf bekannten Beobachtungen qualitätszeigender Arten. (Aussage BAFU).

  • Erfahrungsaustausch Kantone

    Analysen InfoSpecies

  • Was sind Wassereinzugsgebiete?

    Dies sind Einzugsgebiete gemäss dem Datensatz «Hydrographische Gliederung der Schweiz – Basisgebiete (2007)» (BAFU, Analysen InfoSpecies [Metadaten der Geodaten], 2021). Sie wurden von InfoSpecies als Referenzeinheit zur Modellierung des Ergänzungsbedarfs angewendet. Diese Referenzeinheit wurde gewählt, weil sie es erlaubt, die Gesamtfläche der Schweiz in Einheiten vergleichbarer Grösse (durchschnittlich 4‘000ha) zu unterteilen (BAFU, Analysen InfoSpecies, 2021 [Metadaten der Geodaten]).

  • Wie sind die Cluster aufgebaut?

    Cluster sind Gruppen von Einzugsgebieten, die nach Umweltmerkmalen sowie biogeographischen und topografischen Eigenschaften zusammengefasst wurden. Die Zusammenstellung der Einzugsgebiete zu Clustern ist je nach Gilde unterschiedlich. (BAFU, Analysen InfoSpecies, 2021 [Metadaten der Geodaten])

  • Was ist eine Gilde?

    Gilden sind eine Gruppe von Arten mit ähnlichen Umweltanforderungen und charakterisieren so einen Lebensraum und dessen Qualität (BAFU, Rapport méthodologique, 2021).

  • Was bedeutet die Beobachtungsqualität (Hektare) auf der VDC-Plattform?

    Die Beobachtungsqualität weist auf Beobachtungsmeldungen (in den nationalen Datenzentren) von Indikatorarten der im Rahmen dieses Projektes definierten Gilden hin. Dabei handelt es sich um Arten, die bedroht und/oder charakteristisch für die Lebensräume der jeweiligen Gilden sind, und/ oder auf das Potenzial der Lebensräume für die biologische Vielfalt hinweisen. Die Beobachtungsqualität wurde anhand eines Hektarrasters berechnet und in zwei Kategorien (hohe und sehr hohe Qualität) eingeteilt (BAFU, Arbeitshilfe Version 0.99, 2021).

  • Warum decken sich nicht alle Beobachtungsqualitätshektare mit den Polygonen?

    Für die meisten Gilden wurde die Mindestanzahl an Hektaren auf 5 gelegt, um ein Polygon zu bilden. Dies ist aber nicht bei allen Gilden der Fall. Bei einige Gilden wurde eine andere Mindestanzahl an Hektaren gewählt. Hektare, die zu weit entfernt von grösseren Hektaren-Gruppen liegen, wurden nicht zu Polygonen aggregiert. Es gilt ausserdem zu beachten, dass die Aggregation der Hektare zu Polygonen mit einem Algorithmus (Concave Hull) durchgeführt wurde. Dementsprechend variieren die Aggregationspolygone in ihrer Grösse und sie enthalten sowohl «Hektare mit Beobachtungsqualität» als auch “leere” Zwischenräume. Dies ist auch deshalb sinnvoll, weil sowohl die Hektare als auch die Polygone Flächen von potenziellem Interesse darstellen, deren Grenzen aber nicht als feststehend betrachtet werden können/sollten. Grund: Die Kartierungen im Feld werden praktisch nie auf einem ganzen Hektar durchgeführt, sondern nur auf einer kleinen Fläche innerhalb dieses Hektars. Entsprechend weisen alle räumlichen Analysen eine gewisse Ungenauigkeit auf und es würde der Realität nicht entsprechen, wenn die Polygone genau über die Hektare mit Qualität liegen würden (BAFU, Arbeitshilfe Version 0.99, 2021; BAFU, Analysen InfoSpecies, 2021; Aussage Sophie Rudolf, BAFU).

  • Was bedeutet die potenzielle Qualität (Hektare)?

    Die potenzielle Qualität weist auf Flächen hin, für welche keine Beobachtungsmeldungen von Indikatorarten der jeweiligen Gilden in den nationalen Datenzentren vorliegen, die jedoch günstige Umwelteigenschaften für das Vorhandensein solcher Arten aufweisen. Die potenzielle Qualität wurde auf Grundlage eines Hektarrasters modelliert. Sie ermöglicht die Identifizierung potenzieller Standorte für die Stärkung des bestehenden Netzwerks an Gebieten zur Erhaltung von Arten und Lebensräumen für die jeweiligen Gilden. Die potenzielle Qualität kann aus den folgenden 4 Parametern abgeleitet werden: Umwelteignungsindex, Konnektivitätsindex, historischer Beobachtungsqualitätsindex, Gildenüberlagerungsindex (BAFU, Arbeitshilfe Version 0.99, 2021; Das Virtuelle Datenzentrum VDC, 2021)).

  • Was ist der Ergänzungsbedarf (Additional Surface Needed)?

    Der Ergänzungsbedarf quantifiziert die Anzahl Hektare mit Qualität, die innerhalb eines Einzugsgebietes benötigt werden, um das bestehende Netzwerk an Gebieten zur Erhaltung von Arten und Lebensräumen für die jeweilige Gilde zu stärken. Der Ergänzungsbedarf wird für jedes Einzugsgebiet in ha geschätzt (Arbeitshilfe Version 0.99). Der Ergänzungsbedarf wird mithilfe der potenziellen maximalen Artenzahl pro Cluster, der Sättigung der geeigneten Fläche und der Fragmentierung innerhalb der potenziell geeigneten Fläche berechnet (BAFU, Rapport méthodologique, 2021).

  • Wo finden sich Detailinformationen zu den Berechnungen und Layern der VDC-Plattform?

    Im Datenpaket der VDC-Plattform sind Metadaten enthalten mit 4 verschiedenen Dokumenten, welche Detailinformationen enthalten (Das Virtuelle Datenzentrum VDC, 2021).

  • Wie haben private Büros und weitere Interessierte Zugang zu den Analysen von InfoSpecies?

    Die Ergebnisse der Analysen von InfoSpecies sind auf der Internetseite von InfoSpecies für alle Interessierte frei zugänglich (Info Species). Die ZIP-datei enthält die gleichen Informationen als auf der VDC-Plattform (Geodaten, Methodenbericht und Metadaten).

  • Wie ist der Ergänzungsbedarf bei der Gilde 5 (Kleine Stillgewässer, Teiche) zu interpretieren?

    Beispiel: Wenn ein Gewässereinzugsgebiet 60ha Ergänzungsbedarf für die Gilde 5 aufweist, werden dann 60 Stück Hektar-Flächen mit je einem Teich benötigt, oder eine effektive Fläche von 60ha der Gilde 5?

    Für diese Gilde, die durch punktuelle kleine Lebensräume gekennzeichnet ist, entspricht die Hektarzahl einer Anzahl von Standorten.

    Für ein Gebiet mit einem 60 Hektaren Ergänzungsbedarf bedeutet das, dass 60 kleine feuchte Standorte für diese Gilde neu geschaffen bzw. aufgewertet werden müssen.

    (Rapport méthodologiquw de l’analyse menée par InfoSpecies à l’échelle nationale – BAFU; Blaise Petitpierre – Inflo Flora)

  • Quellenverzeichnis
    BAFU (Hrsg.) 2021: Analysen Infospecies Version 2.0 [Metadaten der Geodaten].
    BAFU (Hrsg.) 2021: Ökologische Infrastruktur. Arbeitshilfe für die kantonale Planung im Rahmen der Programmvereinbarungsperiode 2020-2024. Version 0.99
    BAFU (Hrsg.) 2021: Sites d’intérêt pour la conservation des espèces et de leurs habitats: qualité observée, qualité potentielle et besoin en surfaces supplémentaires. Rapport méthodologique de l’analyse menée par InfoSpecies à l’échelle nationale. Version: März 2021
    Das Virtuelle Datenzentrum VDC. https://vdc.wsl.ch/vdc_expert/map, 2021
    InfoSpecies – Ökologische Infrastruktur. https://sites.infoflora.ch/oekoinfra/, 2021